Die längste Amtszeit der Branche - zumindest als weibliche CEO
Wybcke Meier führt TUI Cruises seit dem 1. Oktober 2014, als Nachfolgerin von Richard J. Vogel. Als ich mal nachgerechnet habe, ist mir etwas aufgefallen: Damit dürfte sie die Frau sein, die in der Kreuzfahrtbranche derzeit am längsten ununterbrochen an der Spitze einer Reederei steht. Bewusst war ihr das nicht. Aus drei Schiffen sind in dieser Zeit vierzehn geworden - neun bei Mein Schiff, fünf bei Hapag-Lloyd Cruises. Im Schnitt sind 28.000 Menschen gleichzeitig auf ihren Schiffen unterwegs.
Warum das Atlantik wieder ganz hinten liegt
Die Flow ist das neueste der vierzehn Schiffe. Gebaut wird die InTUItion-Klasse nicht bei Meyer in Turku, sondern bei Fincantieri in Triest - schlicht, weil die Finnen volle Auftragsbücher hatten und nichts mehr anbieten konnten. 2017 saß Meier zum ersten Mal auf der Piazza Unità in Triest, bei einem Espresso, um auszuloten, was dort geht. 2018 wurde der Vertrag für zwei Schiffe unterschrieben, danach ging es ans Reißbrett - rund 35 Entwürfe, bis das erste Schiff der Klasse stand. Und dabei ist etwas zurückgekehrt, das mich gefreut hat: Das Atlantik-Restaurant liegt wieder im Heck.
Bei der Mein Schiff 3 hatte ihr Vorgänger das noch anders erklärt - den schönsten Platz wollte man damals lieber für Dinge nutzen, die gegen Aufpreis sind. Jetzt sieht man es offenbar anders - auf Deck 4 und 5 zieht sich das Atlantik lang durchs Heck. Ein längeres Hauptrestaurant dürfte es auf den Weltmeeren kaum geben. Womit man selbst nicht gerechnet hat: mit dem Erfolg des Griechen. Ein griechisches Restaurant fehlte in der Flotte noch, irgendwann in der Planungsphase kam die Idee auf - und die Nachfrage übertrifft jetzt die Erwartungen. Knoblauch hin oder her - im Urlaub ist das vielen offenbar herzlich egal.
Wie die Mein Schiff 4 und 5 durch die Straße von Hormus kam
Über die Straße von Hormuz habe ich hier in den vergangenen Wochen mehrfach geschrieben - aber immer von außen. Wie es hinter den Kulissen lief, wusste ich lange auch nicht. Eine Blockade für Passagierschiffe gab es nie, sagt Meier - trotzdem hat man die Mein Schiff 4 und 5 erstmal in sichere Häfen gelegt und die Gäste nach Hause gebracht. Was dann folgte, war viel Arbeit: Sicherheitsbewertungen, Abstimmung mit der deutschen Marine und mit der US Navy, dazu der Versuch - angestoßen am Rande der Branchenmesse Seatrade in Miami - eine gemeinsame Ausfahrt mehrerer Reedereien zu organisieren.
Mehrfach reichte man Routen ein, mehrfach kam ein Nein. Am Ende öffnete sich ein Fenster von rund 96 Stunden. Eskortiert hat niemand. Auf jedem Schiff waren rund 60 Crewmitglieder, freiwillig, dazu sehr erfahrene Kapitäne. Und dann ging es los.
Eine Bäckerstochter, die nie backen wollte
Zum Schluss noch etwas, das viele vielleicht nicht wissen: Wybcke Meier kommt von Helgoland. Ihre Eltern hatten dort eine Bäckerei - der Vater hat bis ins achtzigste Lebensjahr gebacken, der Bruder ist Bäckermeister. Sie selbst stand mit zwölf in den Sommerferien morgens um sechs im Laden, fürs Taschengeld - und hat schon damals zu ihrer Mutter gesagt, sie mache mal etwas anderes. Heute hat Helgoland ein anderes Problem: gar keinen Bäcker mehr. Für die Insel wirbt sie trotzdem - kein Schönheitspreis für die Bebauung, aber das Naturerlebnis: der rote Felsen, die Seehunde auf der Düne, von überall der Blick zum Horizont. Klingt fast wie ein Schiff.
Das ganze Gespräch - auch über Robbie Williams als Wohlfühlbotschafter, die Adults-only-Diskussion und die zwei weiteren Schiffe der Klasse, die 2031 und 2032 kommen - findet Ihr hier:
Oder natürlich auf den üblichen Podcast-Plattformen...
Bis nächste Woche - spätestens,
Euer Matthias